Dokumentarfilm                       Deutschland 2004 / Ungekürzte Premierenfassung 52 Minuten

 

                                                                           Verleihnummern: Video 42 73208 und DVD 46 52358

 

 

 

 

 

 

 

Solomon Fusi hieß der Junge aus Afrika, der 1998 über der Gemeinde Lauchringen tot vom Himmel fiel. Er war blinder Passagier in einem Flugzeug. In Lauchringen ist der Schwarzafrikaner fern der Heimat begraben. Die Bremer Filmregisseurin Ulrike Westermann rekonstruiert in ihrem knapp einstündigen Dokumentarfilm die Ereignisse und fördert dabei europäische und afrikanische Selbstdarstellungen und Realitäten zutage.

 

Solomon Mforbei Fusi war 15 Jahre alt und lebte in Bamenda, Kamerun. Er sollte die ihm zugedachte Rolle in der Familie einnehmen und wollte doch nur frei und unabhängig sein. Im Fahrwerkschacht eines Flugzeuges enden seine Träume von einem besseren Leben. Als die Maschine im Landeanflug das Fahrwerk ausklappt, stürzt Solomons Leichnam herab auf einen deutschen Acker.

Solomons Geschichte wird in drei Kapiteln erzählt, die jeweils einen eigenen Blick auf seine Person richten. „Der Junge der vom Himmel fiel“ lautet der Titel der deutschen Geschichte: am Ort seines Absturzes wird er postmortem adoptiert. „Ich nehme Euch als meine Eltern“ heißt die französische Geschichte: vier Monate vor seinem Tod wird Solomon auf dem Rollfeld des Pariser Flughafen Charles de Gaulle aufgegriffen und in eine Pflegefamilie gegeben. „Der verlorene Sohn“ ist Solomon für seine Familie in Bamenda-Kamerun: die Menschen, die mit ihm lebten, erzählen mit ungewöhnlicher Offenheit seine Geschichte, aber auch ihre Erwartungen, Bewertungen und ihre Moral.

 

Jugendliche, fast noch Kinder, die ihr Leben riskieren, um der Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern zu entkommen, schimpft man bei uns  „Wirtschaftsflüchtling“. Der Film verleiht diesem Wort ein Gesicht und eine Geschichte und rückt den Menschen wieder in den Vordergrund.

  Filmauschnitt/Trailer

  4-minütiger Ausschnitt (Real-Player)

 

 

 Presse-Echo zur Filmpremiere                                                    Südkurier / Albbote
 27.09.2004

 

Tödlicher Traum eines jungen Afrikaners

 

Mit diesem Besucheransturm hatten die Veranstalter einfach nicht gerechnet: Halb Lauchringen hatte sich im Gemeindesaal der katholischen Kirche St. Andreas eingefunden, um den Film "Stärker als die Angst" anzuschauen. Der fünfzehnjährige Solomon Fusi aus Kamerun war im November 1998 bei seinem Versuch, im Fahrwerkschacht eines Flugzeugs in eine für ihn verlockende Freiheit zu gelangen, buchstäblich tot vom Himmel gefallen und in einem Lauchringer Maisfeld gefunden worden (wir berichteten). Die Bremer Filmregisseurin Ulrike Westermann hat daraus einen Film gemacht. Für diesen hat sie in Frankreich und Kamerun recherchiert. Sie zeichnet sensibel und ohne Wertung den tragischen Weg dieses Jugendlichen.

Sie zeigt die Geschichte in drei Versionen - ein deutsches, ein französisches und ein kamerunsches Kapitel. Der Zuschauer sieht und hört die Betroffenen: in Lauchringen den damaligen Bürgermeister, Polizeisprecher, Pfarrer und die Gerichtsmedizinerin; in Frankreich den betreuenden Sozialarbeiter und die Pflegemutter; in Kamerun die Familienangehörigen.

Dazwischen gibt es ganz stille Bilder: eine Bananenschale als Spur des letzten Proviants, die Fotos in seinem Gepäck (Lady Di und Madonna) oder arbeitslos herumstehenden Afrikaner. So bekam dieser unbekannte Tote ein Gesicht: Er hatte keine wirtschaftlichen oder humanitären Fluchtgründe. Er hatte eine Familie, die ihm helfen wollte, aber - so Ulrike Westermann - er träumte von der individuellen Freiheit. Er steckte in der Klemme wie viele Jugendlichen in Kamerun, die Touristen sehen und beneiden und für die Europa das gelobte Land ist. Für Solomon endete dieser Traum tödlich.

Die Zuschauer des Films waren betroffen und nachdenklich. "Was wäre geschehen, wenn er lebend in unsere Gemeinde gekommen wäre?", hatte Pfarrer Klaus Groß aus Lauchringen im Film gefragt. Diese und andere Fragen wurden in der Podiumsdiskussion aufgegriffen.

Vor allem Ulrike Westermann ging auf weitere Nachfragen ein. Solomon selber sei schwer einzuordnen: "Er hatte keine Lust auf gerade Wege." Jedem habe er eine andere Version seines Abenteuers erzählt, das für ihn zunächst erfolgreich in Frankreich geendet hatte. Sie habe aber die Hoffnung, dass man durch seine Biografie anders mit solchen Flüchtlingen umgehen lernt, dass man ihre Wünsche kennt und respektiert. "Die Jugendlichen träumen von der individuellen Freiheit und empfinden die starke Verantwortung durch die Familienbindungen als Zwänge."

Auch Stephen Helmes, Gruppensprecher von Amnesty International, der kompetent erläuterte, was einen Asylanten hier in Deutschland erwartet, machte klar, dass man solchen Menschen zumindest ihre Würde lassen muss. Altbürgermeister Bertold Schmidt, der damals tatkräftig reagierte und den Jungen beerdigen ließ, brachte seine Aussage auf den Punkt: "Hilf! Deine Rede kannst du später halten!" Klaus Groß, der die Diskussion geleitet hatte, dankte allen Engagierten an diesem Projekt und schloss mit den Worten: "Nicht alle Fragen sind zu klären. Widersprüche bleiben bestehen."

Rosemarie Tillessen

Der Film "Stärker als die Angst" ist in der gezeigten 52-minütigen Fassung im Kreismedienzentrum Waldshut auszuleihen und steht vor allem für Schulen und Vereine zur Verfügung.

 

 

Filmregisseurin Ulrike Westermann stellte in Lauchringen ihren beeindruckenden Film "Stärker als die Angst" vor.

 

 

Der mehr als voll besetzte katholische Gemeindesaal in Lauchringen.

 

 

Podiumsgespräch mit v.l.n.r. Stephen Helmes (Amnesty International), Dekan Klaus Groß (Kath. Pfarrgemeinde Lauchringen), Ulrike Westermann (Buch und Regie), Altbürger-meister Bertold Schmidt (Lauchringen) und Rudolf Schöps (Kreismedienzentrum Waldshut).

 

Alle Fotos: Uwe Lampka, Kreismedienzentrum

 

 

 

Weiterführende Links:

 

*  fechnerMEDIA: Produktion

*  fechnerMEDIA: Galerie Kamerun

*  Nordmedia